Ein an einer Genkrankheit leidender einheimischer Jugendliche wird am Samstag auf die andere Seite der Erde fliegen, um dort eine Stammzellbehandlung zu erhalten. Warum? Diese Behandlung ist in den USA nicht erlaubt.
Der 17jährige Nate Redman aus Grand Island sah sich die Fotos des Albums, das ihm seine Schwester gemacht hatte, am Freitagnachmittag nochmal ganz genau an. 17 Jahre an Erinnerungen, Wettkämpfe im Ringen und Auftritte mit der Musikkapelle eingeschlossen, sind langsam verblasst.
"Ich kann keine Noten lesen und mein Gleichgewicht macht es schwer zu laufen. Ich liebe das Ringen, ich mache es, seitdem ich sechs Jahre alt war, aber ich konnte es zuletzt einfach nicht mehr," sagt er.
In der achten Klasse wurde bei Nate zunächst eine Erkrankung an Morbus Stargardt festgestellt - eine Krankheit, die zum Verlust der Sehkraft führt - doch vor drei Wochen kamen die Ärzte des Children's Hospital and Medical Center in Omaha zu einer neuen Diagnose: Spinozerebelläre Ataxie vom Typ 7. Seit einem Jahr bereits klagt Nate über Verluste von Koordination und Sprachvermögen.
"Mein Gleichgewicht, meine Sprachvermögen, mein Sehvermögen - alles hängt zusammen," sagt er.
Präsidant Barack Obama hob zwar im März das Forschungsverbot auf dem Gebiet der embryonischen Stammzellen auf, aber die USA sind immer noch weit hinter China zurück: dort ist bereits die gezielte Behandlung genetischer Krankheiten mit adulten Stammzellen möglich.
Redmans Behandlung wird adulte Stammzellen nutzen, entnommen aus der Nabelschnur Neugeborener.
"Sie entnehmen und kultivieren die Zellen, lassen sie wachsen und injizieren sie dann. In Nates Fall gehen sie direkt in seine Wirbelsäule", berichtet sein Vater Doug.
Es ist keine Heilung für den jungen Erwachsenen, aber es ist ein Anfang.
Seine Mutter hat einen Blog eingerichtet, in dem sie seine seltene, genetische Krankheit beschreibt, die ähnlich zu Multipler Sklerose ist, mit Ausnahme dessen, dass sie neurologisch ist. Die einzig mögliche Behandlung gegen spinozerebelläre Ataxie Typ 7 nutzt adulte Stammzellen. Auch wenn diese Behandlung nicht so kontrovers ist, wie die mit embryonischen Stammzellen, ist sie trotzdem durch die FDA (Anm. amerikanische Arzneimittelbehörde) verboten.
"Die FDA sieht Stammzellen als Drogen an," beklagt Doug Redman.
Die Behandlung kann nicht genehmigt werden, ehe aktuell laufende Versuchsreihen erfolgreich abgeschlossen sind, die laut Redman weitere fünf Jahre dauern können.
"Aber mit dieser Erkrankung können wir nicht so lange warten," erklärt er aufgrund des progressiven Charakters der Erkrankung.
China ermöglicht die Behandlung jetzt.
"Es ist offensichtlich, dass wir jetzt die Progression abbremsen müssen bis wir hier in den USA Möglichkeiten zur Behandlung haben," sagt er.
Deshalb fahren Nate und seine Mutter nun für fünf Wochen nach China. Dort wird er sechs Stammzellinjektionen in seine Wirbelsäule erhalten, die von Sprach- und Gleichgewichtstherapien gefolgt werden.
"Dass es noch schlechter werden könnte liegt mir schwer im Magen, aber dass es Hoffnung auf Besserung gibt, ist wirklich vielversprechend," ist Nate zuversichtlich.
Ergänzungen der Reporterin: Stacia Kalinoski
Doug Redman sagt, dass es eine 75prozentige Chance gibt, dass Nate Verbesserungen erleben wird, aber dass er wahrscheinlich jedes Jahr nach China zurückkommen muss, um sich weiter behandeln zu lassen. Da die Behandlung aßerhalb der USA stattfindet und sie nicht durch die FDA genehmigt ist, übernimmt die Krankenversicherung nicht die Kosten. Doug bezahlt die Kosten mit den Ersparnissen für das College.
Nate möchte nach der High School ein zweijähriges Community College besuchen, aber es hängt entscheidend davon ab, wie die Behandlung funktioniert. Aktuell kann er kein Auto fahren.
Für Updates zu seinen Fortschritten, schauen Sie sich hier den Blog der Familie an:
www.stemcellschina.com/blog/nateredman.