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Multiple Sklerose durch körpereigene Stammzellen umgekehrt Drucken E-Mail
Multiple Sclerosis
Freitag, 30. Januar 2009 um 17:21 Uhr


Quelle: Bloomberg

Von Rob Waters

29. Januar (Bloomberg) -- In einer Studie wurde nun erstmals gezeigt, dass sich die Erkrankung an Multipler Sklerose durch Nutzung der körpereigenen Stammzellen umkehren lässt, wenn diese zum "Reset" des nicht mehr richtig funktionierenden Immunsystems verwendet werden.

Alle 21 Patienten einer Studie an der Northwestern University in Chicago litten an der schubweise remittierenden Form der Krankheit. Durchschnittlich drei Jahre nach ihrer Behandlung hatten sich die Symptome bei 17 Patienten verbessert, 16 erlebten keinen neuerlichen Rückfall und keiner hatte eine Verschlechterung erlebt, wie die Studie herausfand.

“Das ist die erste Studie, die eine Möglichkeit zeigt die Einschränkungen durch MS umzukehren", sagt Richard Burt, Professor für Immuntherapie an der Northwestern und führender Autor der Studie, die heute in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde. "Bei einigen sind alle Symptome verschwunden."

Bei einer Erkrankung an Multipler Sklerose greifen die Immunzellen des Patienten das zentrale Nervensystem an, was sich negativ auf Sehvermögen, Koordination, Körpergleichgewicht und kognitive Fähigkeiten auswirkt. 

Die überwiegende Mehrheit der MS-Patienten erkranken zuerst an der schubweise remittierenden Form, ehe es sich in den Folgejahren bei einigen zur sekundär progredienten Form ausweitet. An der Studie nahmen nur Patienten teil, bei denen die Schübe auch nach der Behandlung mit proteinbasierten Medikamenten wie Interferon anhielten.

Patienten wurden die hämatopoietischen, blutbildenden Stammzellen entnommen, ehe die Immunzellen des Knochenmarks durch die Medikamente der Chemotherapie zerstört wurden. Anschließend wurden die Stammzellen injiziert, um das Knochenmark neu auszubilden.

 

Abgedunkeltes Sehvermögen

Einer der Patienten war Edwin McClure, der mittlerweile 24 Jahre als ist und gerade an der Virgina Commonwealth University in Richmond seinen Abschluss in Marketing gemacht hat. In seinem letzten High School-Jahr 2002 wurde bei ihm Multiple Sklerose diagnostiziert, nachdem sein Sehvermögen sich dramatisch verschlechtert hatte.

“Es war so, als ob jemand auf einmal das Licht abgedunkelt hätte", erzählte er uns gestern am Telefon. Er litt auch an Schwindel, schwachem Gleichgewicht und Müdigkeit, die ihn so müde machte, dass er jeden Tag nach der Schule drei Stunden schlafen musste. 

In den nächsten Jahren wurde McClure mit Steroiden und Interferon behandelt. Auch wenn diese seine Krankheit eine Zeit lang unter Kontrolle hatte, brachen seine Symptome plötzlich wieder aus und lösten neue Attacken aus.

McClure fuhr Ende 2005 nach Chicago, um an der einmonatigen Studie von Burt teilzunehmen, und hat seitdem keine Medikamente mehr benötigt.

 

‘Ein Segen’

“Es ist ein Segen", sagt er. "Meine Krankheit ist gestoppt."

Auch der Prüfungsstress - ein Faktor, der dafür bekannt ist die Symptome Multipler Sklerose zu verstärken - hat nicht eine einzige Attacke ausgelöst, berichtet er. Sein Gleichgewicht hat sich verbessert und sein Sehvermögen hat nicht weiter abgenommen.

Forscher glauben, dass in den frühen Phasen der Erkrankung die Immunzellen die Nervenzellen angreifen. Dies zerstört das Myelin, das die Axone, die langen faserartigen Fortsätze einer Nervenzelle, umgibt.

“Die Forschung hat herausgefunden, dass es entscheidend ist die Krankheit früh zu stoppen, um die neurologische Degeneration und den Fortschritt der Krankheit zu stoppen.", sagte uns Patricia O'Looney, Vizepräsidentin für den Bereich biomedizinische Forschung bei der National MS Society, gestern im Telefoninterview.

In früheren Studien haben Burt und andere Wissenschaftler versucht, Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium mit Stammzellen des Knochenmark zu behandeln, was erfolglos blieb.

 

Unwirksamkeit bei fortgeschrittener Erkrankung

“Wenn Sie das gleiche bei weiter fortgeschrittenen Patienten versuchen, verbessern sich diese nicht", sagt er und vermutet, dass es daran liegt, dass die Immunzellen zu diesem Zeitpunkt bereits die Nervenzellen geschädigt haben.

O’Looney nennt die Ergebnisse von Burts Studie vielversprechend und hofft auf Wiederholung in einer größeren Studie, in der Burt die Stammzelltherapie mit den existierenden Methoden vergleichen will. Dafür sucht er aktuell 55 Patienten in den USA, Kanada und Brasilien.

Sollten die Ergebnisse sich bestätigen, "so denke ich, dass wir die Herangehensweise an diese Krankheit grundlegend ändern solten", sagt Burt.

Kontaktdaten des Reporters: Rob Waters in San Francisco, E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst. .

 

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